Elektrokardiographie (EKG)

Zellen im biologischen Gewebe haben oftmals die Eigenschaft, dass jenseits und diesseits ihrer Zellmembranen elektrisch geladene Teilchen (Ionen) in unterschiedlichen Konzentrationen vorliegen und so ein Membranpotential, also ein elektrisches Gefälle, bilden. Potentiale, also elektrische Gefälle, versuchen, gleich zweier Seen auf unterschiedlichem Niveau, verbunden durch z.B. einem Kanal, sich in ihrem Niveau anzugleichen. Es entsteht ein Strom. Ströme kann man messen.

In der Medizin misst man viele Ströme: Gehirnströme, Nervenströme, Muskelströme und eben Herzströme.

Die Elektrokardiographie (EKG) ist die Aufzeichnung der elektrischen Herzströme. Viele Millionen Untersuchungen, zunächst in Tierversuchen, dann am Menschen und heute auch im menschlichen Herzen haben zum Verständnis dieser Ströme beigetragen. Zweckermäßig wurden Definitionen und Standardwerte zusammengetragen. Wenn man jetzt die aufgezeichneten Herzströme eines Patienten mit Normwerten vergleicht, kann man Aussagen über Abweichungen treffen.

Wenn z.B. eine Durchblutungsstörung am Herzen vorliegt, entstehen Abweichungen vom Normalkurvenverlauf, und andersherum kann man von bestimmten Abweichungen vom Normalkurvenverlauf auf Durchblutungsstörungen am Herzmuskel schließen und ihn teilweise sogar lokalisieren. Bei einer Herzmuskelmassenzunahme sind mehr bzw. größerer Zellen am Stromfluss beteiligt, es kommt zu größeren Stromspannungen.

Kurzerhand sind am Stromkurvenverlauf oft Aussagen über die Ursache der Störung möglich. Ein Herzinfarkt, eine Durchblutungsstörung, eine Herzmuskelvergrößerung, eine Herzmuskelaussackung (Aneurysma), aber auch viele Formen der Herzrhythmusstörungen können im EKG aufgedeckt werden.

Nun gibt das Elektrokardiogramm nur Hinweise auf mögliche Ursachen. In weiterführenden Untersuchungen müssen diese Verdachtsdiagnosen bestätigt werden. So folgen bei dem Verdacht einer Durchblutungsstörung zunächst ein Belastungs-EKG und dann eine Ultraschalluntersuchung vom Herzen (Echokardiographie). Führen auch diese Untersuchungen nicht zu einem hinreichenden Ausschluss z.B. einer Durchblutungsstörung am Herzen muss ggf. eine sogenannte invasive Diagnostik erfolgen, das ist die Herzkatheteruntersuchung, auch Linksherzkatheteruntersuchung oder großer Herzkatheter genannt. Liegen Herzrhythmusstörungen vor, folgen ggf. eine Langzeit-EKG-Aufzeichnung und je nach Befund eine elektrophysiologische Untersuchung des Herzens. Das ist wiederum eine invasive Diagnostik, bei der über einen Herzkatheter das EKG im Herzen abgeleitet wird. Aus diesen Untersuchungsergebnissen werden schließlich Therapieempfehlungen ausgesprochen.